Hier erstmal ein Überblick welche Auswirkungen die einzelnen Einstellmöglichkeiten am Vergasersetup auf das Gemisch
haben. Die verschiedenen Einstellungen wirken in unterschiedlichen
Lastbereichen. Mit Lastbereichen beschreibt man die Gasschieberstellung.
Je weiter man den Gashahn aufdreht, desto weiter öffnet sich der Gasschieber.
Effekt:
Volllast:
größere Düse Hauptdüse -> Gemisch wird fetter
kleinere Düse Hauptdüse -> Gemisch wird magerer
1/4 bis 3/4 Gas:
Nadel->clip höher setzen->magerer
Nadel->clip tiefer setzen->fetter
1/8 bis 1/4 Gas:
Schieber->größerer Cutaway->magerer
Schieber->kleinerer Cutaway->fetter
größere Leerlaufdüse -> Gemisch fetter
kleinere Leerlaufdüse -> Gemisch magerer
Standgas bis 1/8 Gas:
Standgasschraube rein->mehr Standgas
Standgasschraube raus->weniger Standgas
Gemischschraube(luftfilterseitig)->rein fetter
Gemischschraube(luftfilterseitig)->raus magerer
Gemischschraube(Zylinderseitig)->rein magerer
Gemischschraube(Zylinderseitig)->raus fetter
[Bearbeiten] Vergaser einstellen
Jetzt beginnen wir den Vergaser einzustellen. Bitte denkt daran euren Motor, bevor ihr mit den Einstellungsarbeiten beginnt, auf Betriebstemperatur zu bringen.
Ich muss unbedingt noch hinzufügen, dass die Vergasereinstellung
ein so komplexes Thema ist, dass es nicht DIE Anleitung zum richtigen
Einstellen geben kann, sondern immer nur Richtwerte, an denen ihr euch
orientieren könnt. Es fließen noch so viele weitere Faktoren in die
Abstimmung des Vergasers ein, wie z.B. die Temperatur und der Luftdruck.
Bei niedrigen Temperaturen ist wesentlich mehr Sauerstoffanteil in der
Luft als bei warmen Temperaturen, bei hohem Luftdruck ist ebenfalls mehr
Sauerstoff pro ccm Luft enthalten als bei niedrigem Luftdruck. Das
bedeutet, dass beim Abfallen der Temperatur, bzw. Steigen des Luftdrucks
das Gemisch magerer wird. Es kann also sein, dass ihr für den Sommer
die optimale Einstellung gefunden habt, aber im Winter einen
Kolbenklemmer durch zu mageres Gemisch erleidet. Wenn Ihr also ein
stabiles Setup haben wollt, dass für eure gesamte Saison passen soll,
dann solltet ihr die Einstellungen an einem Tag mit der für euch
gesetzten Temperatur Untergrenze vornehmen. Ebenfalls sollte es ein
trockener Tag sein, zu dem ein Hochdruckgebiet vorherrscht. Aber nicht
das es dabei bleibt, es gibt noch mehr Faktoren, die bei der
Vergasereinstellung Schwierigkeiten bereiten. Ein in meiner Anleitung
angesprochenes Überprüfungsmittel des Gemisches, das Zündkerzenbild, ist in den meisten Fällen nur ein ganz grobes richtungszeigendes Hilfsinstrument. Unterschiedliche Wärmewerte der Zündkerze haben unterschiedliche Kerzenbilder zur Folge usw.
Realitätsnäher, aber auch nicht realitätsgetreu, sind
Messinstrumente wie Lambdasonden und Detonationszähler. Ein geeigneteres
Überprüfungsinstrument als die Kerze ist der Kolbenboden
usw. Letzten Endes müsst ihr mit der Zeit ein Gefühl für die Richtige
Einstellung finden, euch langsam an das optimale heran tasten. Jemand
der weiter in der Materie steckt als ich, könnte ganze Bücher
über die Abstimmung an einem Vergaser schreiben, lässt es wenn er
schlau ist aber bleiben, da es, wie ich schon sagte, DIE Anleitung zum
perfekten Einstellen von verschiedenen Motorrädern, mit verschiedenen Vergasern usw. nicht geben kann.
Da ich nicht ganz so schlau bin und euch trotzdem versuchen will
zu helfen, habe ich eine kleine Anleitung geschrieben. Aber bitte, bitte
denkt daran, dass auch das nur Richtwerte sind. Guckt bitte IMMER
vorher in eure Betriebsanleitung um zu überprüfen, ob die Funktion der
genannten Einstellungen die gleiche wie hier in der Anleitung ist.
[Bearbeiten] 1. Standgas bis 1/8 Gas:
Zunächst sollte das Standgas per Standgasschraube auf 1200 Umdrehungen pro Minute gestellt werden. Danach wird die Gemischschraube soweit rein, bzw. raus gedreht, dass die Drehzahl am höchsten Punkt ist und die Gasannahme am direktesten ist, also ohne verschlucken oder stottern. Mit der Standgasschraube wird die Drehzahl wieder auf 1200 gebracht.
[Bearbeiten] 2. 1/8 bis 1/4 Gas:
Wenn durch das Verstellen der Gemisch- und Standgasschraube keine wirklich gute Lösung gefunden werden kann, ist das gewünschte Ergebnis mit einer anderen Leerlaufdüse bzw. einem anderen Cutaway am Gasschieber zu erreichen.
Zunächst sollte man mit der Leerlaufdüse anfangen. Stimmt die Einstellung der Gemischschraube, ca. 2 Umdrehungen nach außen, der Motor rülpst jedoch beim Gasaufreißen ist die Leerlaufdüse zu groß. Verschluckt er sich hingegen, sollte eine größere verwendet werden.
Ist auch mit der Leerlaufdüse kein passendes Setup erreicht worden, experimentiert man mit dem Cutaway. Einen Größeren für zu mageres, einen kleineren für zu fettes Gemisch.
[Bearbeiten] 3. 1/4 bis 3/4 Gas:
Wenn der Motor beim Gasaufreißen in niedrigen Drehzahlen stottert oder das Gas schlecht annimmt, ist das Gemisch wie gesagt in den meisten Fällen zu fett (Hierbei muss auf die Art des Stotterns geachtet werden. Bei zu fettem Gemisch verschluckt sich der Motor. Bei zu magerem Gemisch kann ein ähnlicher Effekt auftreten, jedoch ist hier durch das plötzliche abmagern zu wenig Benzin im Gemisch um die Verbrennung ordnungsgemäß durchzuführen. Dies ist aber wesentlich seltener und eigentlich nur bei gravierend zu magerem Gemisch zu erwarten. Die Nadel sollte in diesem Fall Stufe für Stufe tiefer gehängt werden. Der Clip wird dabei in die nächst höherer Nut (Einkerbung) gesteckt.
Stottert der Motor hingegen beim Gasaufreißen oder fängt das Gemisch bei der Verbrennung sogar an zu detonieren, sollte die Nadel in jedem Fall höher gehängt werden. Also den Clip
Stufe für Stufe in die nächst tiefere Nut. Die besagten Detonationen
zeichnen sich beim beschleunigen durch eine Art klingeln aus.
Wenn man durch das ändern der Nadelstellung wieder kein vernünftiges Setup hinbekommt, hilft nur noch ein anderer Düsenstock, also eine neue anders geformte Nadel. Dazu informiert euch bitte bei eurem Händler, welche die nächst größeren und die nächst kleineren Düsenstöcke für euren Vergaser sind.
[Bearbeiten] 4. Volllast:
Volllast ist der Lastbereich, in dem der Gasschieber komplett geöffnet ist. Fängt der Motor bei Volllast an zu klingeln, wird überdurchschnittlich heiß bzw. die Zündkerze ist hellgrau bis weiß, dann ist das gefahrene Gemisch zu mager, bedeutet also, dass die Hauptdüse zu klein ist.
Ist die Zünderkerze hingegen feucht und schwarz bzw. der Motor dreht nicht frei hoch, stottert und ähnliches, sollte eine kleinere Hauptdüse verwendet werden.
Das Zündkerzenbild
sollte bei optimalen Vergaser-Setup rehbraun und trocken sein. Das
Gewinde der Kerze, leicht ölig. Wie oben bereits bei den Hinweisen
erwähnt, ist das Zündkerzenbild nur bedingt für die Erkennung des Gemischzustandes zu gebrauchen. Das Kolbenbild würde schon mehr Aufschluss popeln.)
[Bearbeiten] Resümee
Natürlich war dies nur ein kleiner und grober Einblick in das
Vergasersetup. Hält man sich an diese Anleitung sollten grobe Fehler
ausgeschlossen sein und es wird ein guter Kompromiss zwischen
Standfestigkeit und Leistung getroffen.
Wichtig ist noch, dass sich das Kraftstoff/Luftgemisch je nach Außentemperatur, Luftfeuchtigkeit und Luftdruck
stark verändern kann. Ein optimales Gemisch im Sommer ist im Winter mit
Sicherheit zu mager. Daher sollte vor dem Winter und dann wieder im
Frühjahr das Setup neu kalibriert werden. Am besten führt man die
Einstellungen früh morgens an trockenen Tagen durch.